Rechtsanwaltsgebühren


ACHTUNG! Diese Seite ist wegen Gesetzesänderungen leider nicht mehr ganz aktuell. Insbesondere werden Beratungen mittlerweile aufgrund einer Gebührenvereinbarung ‐ in aller Regel nach Zeitaufwand ‐ abgerechnet. Auch hat sich die maßgebliche Gebührentabelle geändert, so dass die Beispielbeträge nicht mehr unbedingt zutreffen.

Wir werden die Seite gelegentlich überarbeiten, lassen sie aber vorläufig noch erreichbar, da die Grundzüge der Berechnung nach wie vor zutreffen.




Für viele Mandanten ist es schwierig, die Kosten abzuschätzen, die durch eine anwaltliche Beratung oder Vertretung entstehen. Dabei bestehen teilweise völlig falsche Vorstellungen, nach oben wie nach unten. Wir wollen deshalb hier die Berechnung der - gesetzlichen - Gebühren etwas erläutern. Daneben besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer besonderen Gebührenvereinbarung.

Beachten Sie bitte auch die besonderen Hinweise zu:

Wichtig: Es handelt sich hier nur um die Grundzüge der Gebührenberechnung. Verbindlich ist allein das Gesetz!

Es gibt ein Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG), das - zumindest teilweise zwingend - festlegt, welche Gebühren ein Rechtsanwalt verlangen kann und muss.

In den meisten Fällen sieht dieses Gesetz vor, dass die Gebühren anhand des sog. Gegenstandswertes - auch Streitwert genannt - berechnet werden. Anderes gilt für Fälle aus dem Strafrecht, dem Recht der Ordnungswidrigkeiten und dem Sozialrecht.

Anhand einer Tabelle kann dann festgestellt werden, wie hoch bei diesem Streitwert der Wert einer einzelnen Gebühr ist.

Die Anzahl der entstandenen Gebühren ergibt sich aus dem Vergütungsverzeichnis zum Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (VV RVG). Das VV enthält aber oft nur einen Rahmen für die Anzahl der Gebühren - wieviele Gebühren tatsächlich anfallen, muss dann "unter Berücksichtigung aller Umstände, vor allem des Umfangs und der Schwierigkeit der anwaltlichen Tätigkeit, der Bedeutung der Angelegenheit sowie der Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Auftraggebers" (§ 14 RVG) bestimmt werden.

Bei "durchschnittlichen" Fällen gilt:

Wenn zu einer Beratung später noch die außergerichtliche oder gerichtliche Vertretung in derselben Angelegenheit hinzukommt, entfällt die Beratungsgebühr komplett.

Wenn nach der außergerichtlichen Vertretung in derselben Angelegenheit gerichtliche Vertretung erfolgt, entfällt die Geschäftsgebühr zur Hälfte (maximal zu 0,75).

Streitwert

Der Streitwert ist grundsätzlich der Wert, den die Sache für den Mandanten hat. Teilweise gibt es Sondervorschriften für die Berechnung des Wertes, teilweise muss auch geschätzt werden. Bei Forderungen ist Streitwert die Höhe der Forderung, bei Räumungsklagen die einjährige Nettomiete, bei einem Streit zwischen Nachbarn über zu häufige Grillpartys je nach Einzelfall vielleicht geschätzte 1.000 €.

Beispiele

Das ist natürlich alles sehr abstrakt. Damit auch einmal Zahlen auf dem Tisch liegen, folgen hier Beispiele für Gebührenrechnungen.

Bitte beachten Sie: Wie oben schon dargestellt, hängen die Gebühren immer vom Einzelfall ab. Die Beispiele sind also nur als grobe Anhaltspunkte zu verstehen!

1. Forderungseintreibung

Eine Forderung von 800 € ist einzutreiben, der Gegner ist bereits im Verzug. Wir beraten den Mandanten, schreiben den Gegner zweimal an und verschicken einen (gerichtlichen) Mahnbescheid, woraufhin der Gegner zahlt.

Streitwert: 800 €

Beratungsgebühr entfällt, weil nach der Beratung Vertretung erfolgt  0 €
1,3 Geschäftsgebühr
84,50 €
Portopauschale
16,90 €
1,0 Verfahrensgebühr im Mahnverfahren
65 €
Portopauschale
13 €
./. 0,65 Geschäftsgebühr - Anrechnung, weil ein gerichtliches Verfahren - Mahnbescheidsverfahren - folgt
- 42,25 €
19 % Mehrwertsteuer
26,06 €
Summe
163,21 €

Diesen Betrag muss der Gegner natürlich erstatten! Er wird im Mahnbescheid von uns gleich mit geltend gemacht. Gebührenschuldner bleiben allerdings auch Sie als Auftraggeber, falls beim Gegner nichts zu holen ist.

2. Mietstreitigkeiten, Kündigung und Räumung

Der Mandant kommt zu uns und möchte, dass wir seinem Mieter eine Eigenbedarfskündigung aussprechen. Im Beratungsgespräch stellt sich aber heraus, dass der Eigenbedarf eigentlich nur vorgeschoben ist und eine Selbstnutzung gar nicht beabsichtigt - in Wirklichkeit will der Mandant den Mieter nach jahrelangen Streitigkeiten einfach nur loswerden. Es finden sich im Gespräch aber andere Gründe für die Kündigung (z.B. Zweifamilienhauskündigung).

Wir kündigen dem Mieter. Der Mieter weigert sich aber auszuziehen, deshalb müssen wir Räumungsklage erheben. Wir treten vor Gericht auf, wo langwierige Debatten über die besondere Schutzbedürftigkeit des armen Mieters erfolgen. Nachdem der Mieter trotz Verurteilung nicht auszieht, beauftragen wir den Gerichtsvollzieher mit der Räumung.

Streitwert für die Kündigung: Einjähriger Nettomietwert, hier z.B. 12 x 600 € = 7.200 €.

Streitwert für die Räumungsklage: Einjähriger Nettomietwert, hier z.B. 12 x 600 € = 7.200 €.

Beratungsgebühr entfällt, weil nach der Beratung Vertretung erfolgt 0 €
1,3 Geschäftsgebühr für die Kündigung
535,60 €
Portopauschale
20 €
1,3 Verfahrensgebühr für die Räumung
535,60 €
./. 0,65 Anrechnung der Geschäftsgebühr
- 267,80 €
1,2 Terminsgebühr
494,40 €
Portopauschale
20 €
0,3 Verfahrensgebühr für die Zwangsvollstreckung
123,60 €
Portopauschale
20 €
19 % Mehrwertsteuer
281,47 €
Summe
1762,87 €

Teuer? Drei Überlegungen:

Dem Streitwert liegt im Beispielsfall eine Nettomiete von 600 € zugrunde. Die gesamten Kosten betragen also hier nicht einmal 3 Monatsmieten!

Die Kosten für das gewonnene Gerichtsverfahren und für die Zwangsvollstreckung muss der Gegner auf jeden Fall erstatten, die Kosten für die Kündigung dann ebenfalls, wenn die Kündigung wegen einer Pflichtverletzung des Mieters erfolgt ist.

Eine Gegenrechnung. Der Mandant hätte selbst eine Eigenbedarfskündigung ausgesprochen. Diese Kündigung wäre nach unserem Beispielsfall unberechtigt gewesen. Folgen: Der Mandant müsste


3. Darlehenskündigung

Der Mandant hat vor zwei Jahren einen schriftlichen Darlehensvertrag über 1.000 € auf unbestimmte Zeit mit einem Bekannten geschlossen. Wir sollen den Vertrag ordnungsgemäß kündigen und, falls auf die Kündigung nicht gezahlt wird, den Betrag eintreiben. Der Gegner zahlt aber umgehend, weitere Tätigkeit ist also nicht mehr erforderlich.

Streitwert: 1.000 €

0,5 Geschäftsgebühr (ein recht einfacher Fall)
42,50 €
Portopauschale
8,50 €
19 % Mehrwertsteuer
9,69 €
Summe
60,69 €


Weitere Informationen zu den Anwaltsgebühren finden Sie auf den Seiten der Bundesrechtsanwaltskammer.